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Therapie steht in den Genen
Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Heidelberg untersucht molekulare Eigenschaften von Tumoren der Mundhöhle

29 Sep 2008 - Tumoren der Mund- und Rachenschleimhaut, sogenannte Plattenepithelkarzinome, zeigen charakteristische Veränderungen im Erbgut: Bestimmte Abschnitte sind zu häufig vorhanden. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums untersuchen, wie sich diese Veränderungen auf die Aggressivität der Tumoren auswirken und wo individuell angepasste Therapien ansetzen können. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt das Projekt nun mit 80.000 Euro.

 
Seit dem Jahr 2000 existiert die Arbeitsgruppe um Dr. Dr. Kolja Freier, Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg, in Kooperation mit der Abteilung Molekulare Genetik unter der Leitung von Professor Dr. Peter Lichter am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. "Diese Kooperation ermöglicht die fruchtbare Verbindung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Tätigkeit. Wir prüfen bei allen Ergebnissen, wie brauchbar sie für Diagnostik und Therapie sind", sagt Dr. Kolja Freier. Die Zusammenarbeit verläuft erfolgreich: Viele Abschnitte in den Genen der Tumorzellen, die von den kritischen Amplifikationen betroffen sind, hat die Gruppe in den letzten Jahren selbst identifiziert und beschrieben.
 
Im Rahmen des geförderten Projektes untersuchen die Heidelberger Wissenschaftler nun, welche Funktionen diese Gene im Zellstoffwechsel erfüllen und was passiert, wenn zu viele Kopien dieser Gene gleichzeitig aktiv sind. "Werden mehrere Kopien dieser Gene abgelesen und in Eiweiße übersetzt, kann das die Kontrollmechanismen der Zelle außer Kraft setzten: Es entsteht Krebs", erklärt Dr. Freier. "Allerdings ist das nicht bei allen betroffenen Genen der Fall. Welche Gene hier eine wichtige Rolle in der Tumorentstehung spielen, ist Gegenstand unserer aktuellen Untersuchungen." Dabei helfen Kulturen mit humanen Tumorzellen. Die Wissenschaftler prüfen hier u.a., wie sich die Zellen entwickeln, wenn verschiedene Proteine im Überschuss produziert werden und wie man hier regulierend eingreifen kann.
 
Die Ergebnisse könnten die Diagnostik des Plattenepithelkarzinoms im Kopf-Hals-Bereich deutlich verbessern und dazu beitragen, Therapien individuell anzupassen: "Bisher geben weder Gewebeproben noch die bildgebenden Verfahren Hinweise darauf, wie aggressiv die Tumoren sind und ob sich Metastasen bilden, nachdem der Tumor operativ entfernt wurde", erklärt Dr. Freier. "Finden wir allerdings einen Zusammenhang zwischen bestimmten Erbgutveränderungen und der Bildung von Metastasen, können wir aus den Genen Schlüsse auf die benötigte Therapieintensität ziehen." So könnte für Patienten, deren Tumoren die kritischen Veränderungen zeigen, nach einer Operation eine zusätzliche Bestrahlung sinnvoll sein, während man anderen Patienten, deren Tumoren diese Veränderungen nicht aufweisen, diese Belastung ersparen könnte. "Denkbar wäre auch eine Chemotherapie, die gezielt diese Veränderungen der Tumorzellen als Angriffspunkt nutzt", erläutert Dr. Freier.
 
Originalveröffentlichungen: Freier, K. et al.; "High survivin expression is associated with favorable outcome in advanced primary oral squamous cell carcinoma (OSCC) after radiation therapy"; Int J Cancer 2007, 120:942-6
 
Sticht, C. et al.; "Activation of map kinase signalling via ERK5 but not ERK1 expression is associated with lymph node metastases in oral squamous cell carcinoma (OSCC)"; Neoplasia 2008, 10:462-70
 
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