Situs inversus oder Heterotaxie – ICD-10-Code: Q89.3 – ist der medizinische Ausdruck einer seltenen, aber an sich nicht krankhaften Besonderheit der Anatomie, bei der sich Organe spiegelverkehrt auf der anderen Seite des Körpers befinden.
Bei Menschen mit Situs inversus befindet sich z. B. die Leber auf der linken und die Milz auf der rechten Seite.
Der Situs inversus tritt bei etwa einem von 8000 bis 25000 Menschen und bei der Hälfte der Menschen mit Kartagener-Syndrom (primärer ziliärer Dyskinesie) auf.
Um eine Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes) nicht zu übersehen, muss bei Schmerzen im linken Unterbauch auch an die Möglichkeit eines Situs inversus gedacht werden.
EKG und Situs inversus
Entsprechend der spiegelverkehrten Lage auch des Herzens (Dextrokardie (gr. dexios = „rechts“, kardia = „Herz“) muss bei der Ableitung des EKGs in den Extremitätenableitungen das rote und gelbe Kabel vertauscht werden und müssen in den Brustwandableitungen die Elektroden spiegelbildlich am Brustkorb befestigt werden. Bei einigen Menschen mit Pätau-Syndrom (Trisomie 13) liegt die Dextrokardie vor, während die übrigen Organe wie üblich angelegt sind.
Entstehung des Situs inversus
Der sogenannte Situs inversus entsteht durch eine genetisch bedingte Störung bei der Festlegung der Lateralität. Meistens tritt dieser nur bei 'einem' der eineiigen Zwillige auf, jedoch kommt es auch bei Einzelkindern vor.
Situs inversus bei Tieren
Weinbergschnecken haben normalerweise rechtsgängige Schneckenhäuser. Die Häufigkeit linksgängiger Weinbergschnecken wird auf etwa 1:10.000 bis 1:1.000.000 geschätzt. Bei solchen Tieren, die als Schneckenkönige bezeichnet werden, sind auch sämtliche Organe (z. B. Herz, Atem- und Geschlechtsöffnung) seitenvertauscht.