Hämine
Hämine (Chloroeisen(III)-Porphyrin-Koordinationskomplexe) sind Komplexverbindungen der Häme mit dem Eisen-Ion in der Oxidationsstufe (+III) und einem Chlorid-Ion als axialen Liganden.
Eigenschaften
Das Hämin b des Häm b wird kurz als Hämin bezeichnet, mit der Summenformel C34H32N4O4·FeCl, der Molmasse 651,94 g/mol und der CAS-Nummer 16009-13-5. Es bildet längliche, dünne Plättchen oder charakteristisch abgeschrägte Prismen, die in Durchsicht braun, bei Auflicht stahlblau glänzend erscheinen.
Hämin a bildet grüne Kristalle.
Hämine sind in Wasser und verdünnten Säuren unlöslich, in starken Basen dagegen lösllich. Hämine bilden in anorganischen Basen Hämatine, in organischen Basen Hämi- bzw. Hämochrome.
Geschichte
Ludwig Teichmann kristallisierte 1853 erstmals Hämin aus Blut.[1] Für die Synthese des Hämins erhielt der deutsche Chemiker Hans Fischer 1930 den Nobelpreis für Chemie.[2]
Nachweis
Hämin entsteht beim sogenannten Teichmann-Test aus Hämoglobin beim Erhitzen mit Eisessig (gesättigt mit Kochsalz) zum Nachweis von Blutspuren.
Verwendung
Hämin-Arginat wird als Arzneimittel zur Behandlung akuter Schübe einiger Formen von Porphyrie eingesetzt. Porphyrien sind angeborene Bildungsstörungen der Häm-Gruppe, gekennzeichnet durch den teilweisen Ausfall von Enzymen, die die 8 nacheinander folgende Schritte des Häm-Aufbaus katalysieren. Die Häm-Gruppe kommt hauptsächlich im Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) vor, aber auch in Enzymen wie dem Cytochrom P -450, das u.a. beim Abbau/ Entgiftung von Xenobiotika (z.B. Medikamente) in der Leber eine Rolle spielt. Müssen vermehrt Medikamente abgebaut werden, kommt es zu einem erhöhten Bedarf an Cytochrom P-450 und einer positiven Rückkopplung auf den Häm-Syntheseweg. Bei einer Störung des Synthesewegs aber führt die positive Rückkopplung zu einer Anreicherung des Stoffwechselproduktes, das nicht mit der normalen Rate umgesetzt (weiterverarbeitet) werden kann und ein Porphyrie-Schub entsteht (Porphyrinvorläufer sind toxisch für den Körper).
Hämin-Arginat besetzt die positive Rückkopplungsstelle im Syntheseweg (es suggeriert dem Körper, dass eine ausreichende Menge Häm vorhanden ist)und bewirkt eine Entkopplung der Rückkopplung.
Literatur
- ↑ Teichmann, L. (1853): Über die Kristallisation der organischen Bestandteile des Bluts. In: Zeitschr. f. rat. Med. (N.F.). Bd. III, S. 375.
- ↑ Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1930 an Hans Fischer (englisch)
Siehe auch
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