Actinobacillus ist ein schlankes, kurzes, unbewegliches, gram-negatives Stächenbakterium, welches auch kugelige Formen annehmen kann. Es gehört zu den fakultativen Anaerobiern. Hervorzuheben ist, dass Vertreter dieser Gattung keine Sporen ausbilden.
Actinobacillus ist ein häufiger Begleitkeim bei Aktinomykosen, wird aber oft auch bei Wundinfektionen, Bakteriämien, tierischen Bisswunden und Endokarditis aufgefunden. Bei Infektionen, die vor allem bei geschwächter Immunabwehr auftreten, liegt die Letalität mit 30% relativ hoch.
Je nach Eintrittspforte entstehen lokal begrenzte Wundinfektionen (z.B. Bronchitis, Pneumonie, Otitis, Sinusitis etc..) und lokale Lymphadenitis. Als Spätkomplikationen nach Verletzungen sind entfernte Infektionen, wie z.B. am Endokard, im Knochen und auch im zentralen Nervensystem möglich.
Arten
A. actinomycetemcomitans (Klinger 1912) Topley & Wilson 1929 (Syn.: Haemophilus oder Aggregatibacter actinomycetemcomitans) Erreger von Parodontitiden
A. arthritidis Christensen et al. 2002
A. capsulatus Arseculeratne 1962
A. delphinicola Foster et al. 1996: Krankheitserreger bei Meeressäugern
A. equuli (van Straaten 1918) Haupt 1934: Septikämie- und Peritonitis-Erreger bei Pferden
Als Mittel der Wahl werden Benzylpenicilline (Penicillin G) zur Behandlung eingesetzt. Normalerweise sind gram-negative Stäbchenbakterien dagegen resistent, Actinobacillus bildet hierbei jedoch eine Ausnahme. Allerdings ist auf Mischinfektionen mit anderen Keimen zu achten.
Je nach Resistenzlage der Bakterien können weiterhin Ampicillin, Cepahlosporine und Tetracycline zur Behandlung eingesetzt werden.
Nachweise
Herbert Hof, Rüdiger Dörries, Gernot Geginat, Marianne Kretschmar, Robert L. Müller: Medizinische Mikrobiologie, 3. Auflage, Thieme Verlag, ISBN 3-13-125312-6
Einzelnachweise
J. P. Euzéby: List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature