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Von mündigen Patienten und einem effizienten System

Digital Health mausert sich vom Trend- zum Mehrwertthema

Christine Gadow

Es hat schon fast etwas Beliebiges: Industrie 4.0, Big Data, Das Internet der Dinge und die Digitale Transformation – all dies sind Schlagwörter, auf die wir mittlerweile nahezu täglich stoßen. Sei es in Artikeln und Studien über die Zukunft des Arbeitens, des Wohnens, des Autofahrens oder der Mediennutzung. Experten jedweder Couleur werden nicht müde, uns auf die Notwendigkeit hinzuweisen, am Ball zu bleiben. Aber so eindeutig die Richtung auch zu sein scheint, so nebulös sind in vielen Fällen auch die Vorstellungen darüber, wie und in welcher Geschwindigkeit sich der Digitalisierungstrend auf einzelne Branchen und dessen Vertreter auswirken wird.

So wird auch für die Life Science-Branche kaum jemand diesen Trend als kurzlebige technologiegetriebene Mode abtun. Allein der demografische Wandel, aber auch die wirtschaftlichen Zwänge des Gesundheitssystems werden dafür sorgen, dass auf allen Seiten ein Interesse daran besteht, die Eigenverantwortung und das Selbstmanagement von Patienten per technologischer Unterstützung zu ermöglichen.

Immerhin: Im Jahr 2016 hat es Digital Health schon mal unter die Top Ten der wichtigsten High Tech-Themen geschafft (auf gleicher Höhe mit allgegenwärtigen Dauerbrennern wie Social Media und Smart Home). Eine aktuelle Deloitte-Studie zum Thema geht davon aus, dass der mündige Patient bereits im Jahr 2020  soweit über sein genetisches Profil und seine individuellen Gesundheitsrisiken informiert sein wird, dass eine ernst zu nehmende digitale Anamnese und Ferndiagnose realistische Szenarien darstellen. Und so befinden sich bereits heute unter den sieben eHealth-App-Klassen, die im Rahmen einer aktuellen Bertelsmann-Studie identifiziert wurden, vor allem solche, die Patienten der Zukunft in die Lage versetzen sollen, kompetent Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen und sich gezielt Rat und Dienstleistungen einholen zu können, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Allerdings bleibt die Nutzung Medizin-orientierter Apps heute zumeist noch weit hinter den Erwartungen ihrer Produzenten zurück. Es wäre aber ein Fehler, daraus auf geringe Potenziale zu schließen. Branchenkenner vermuten, dass wir uns momentan in einer Phase befinden, in der experimentierfreudige Startups mit Apps, die vielfach noch als nette Spielerei abgetan werden, den Weg für kommende Lösungen bereiten. Oftmals liegt es dabei gar nicht so sehr am fehlenden Nutzermehrwert, als vielmehr daran, dass das nötige Vertrauen fehlt. Es geht schließlich um den eigenen Körpern, und so werden digitales Monitoring, elektronische Patientenakten, virtuelle Krankenpflege, Tele-Medizin und Anwendungen zur Frühdiagnostik erst dann zum durchschlagenden Erfolg ansetzen, wenn Ärzte, Krankenhäuser und andere Institutionen des Vertrauens an die Stelle der Startups treten beziehungsweise mit ihnen kooperieren werden.

Erst wenn sich immer mehr etablierte Akteure des Gesundheitswesens des Themas annehmen und aktiv die digitale Interaktion mit den Patienten vorantreiben, damit diese in Zeiten überquellender Wartezimmer informiert und bereit sind, das „Management ihres Körpers“ selbst in die Hand zu nehmen, wird Digital Health nachhaltig an Fahrt aufnehmen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit digitalen Vorreitern, aber auch mit verwandten Branchen mit Life Science-Bezug wird dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Besagte verwandte Branchen sind übrigens auch solche, die nicht nur Patienten den Weg zum Arzt ersparen, sondern auch Medizinern und Pharmakologen in Zeiten wachsender Patientenzahlen zu Weiterbildung-to-go und effizienterem Arbeiten verhelfen. So setzt beispielsweise Boehringer Ingelheim seine „medienakademie“-Apps ein, damit interessierte Ärzte auch unterwegs CME-zertifizierten Live-Vorträgen folgen können. Und auch Pharmareferenten nutzen für das Vor-Ort-Gespräch mit Arzt oder Apotheker nicht mehr ausschließlich werbliche Apps, sondern auch solche mit unterstützendem, wissensvermittelnden Charakter.

Wer obendrein auf dem Weg zum nächsten Termin vielleicht auch noch an seiner Karriere basteln möchte, dem versprechen zahlreiche Apps die schnelle Jobsuche für zwischendurch. Erfolgversprechend wird es hier vor allem dann, wenn eine App-Zielgruppe, Komfort und Schnelligkeit (z. B. durch Klick auf das eigene Xing-/LinkedIn-Profil bei der Bewerbung) miteinander kombiniert. Erste Apps, wie in Deutschland der Optares Jobfinder, haben dies bereits umgesetzt.

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