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Visionäre machen Geschichte

Erfolge der Life Sciences und ihre Hintergründe

„Nichts auf der Welt ist
so mächtig, wie eine Idee,
deren Zeit gekommen ist.“
- Victor Hugo

Dem bekannten Zitat von Victor Hugo müsste man in Bezug auf die Life Sciences noch Worte von Paul Ehrlich hinzufügen, wonach neben der Idee „Geduld, Geschick, Glück und Geld“ von Nöten sind. Und was wäre das alles ohne die Menschen hinter den Ideen? Denn vor allem brauchen junge aufstrebende Wissenschaften wie die Life Sciences bzw. die Biotechnologie eines: Gründergeist – den Mut, eine Idee zu verfolgen, die Ausdauer, sie zu realisieren und jede Menge Begeisterung, um Unterstützer von ihrer Sache zu überzeugen. Hierin besteht sicherlich eine grundlegende Gemeinsamkeit, die Forscher und Gründer in der Geschichte miteinander verbindet. Die jeweiligen Gesellschaftsstrukturen – und damit die Rahmenbedingungen für Pionierarbeit – unterscheiden sich beim Blick in die Jahrhunderte jedoch erheblich. Personen mit ihren persönlichen Schicksalen eingebettet in einmalige historische Konstellationen – das ist der Stoff, aus dem die Geschichten der Wissenschaft entstehen.

Von goldenen Nasen und richtigen Riechern

Ein prominentes – aber zugleich fragwürdiges – historisches Beispiel für die Begeisterung potenzieller Geldgeber liefern bereits die Alchimisten mit ihrer legendären Suche nach einem Verfahren zur Herstellung von Gold. Wie war es möglich, dass der Betrug und die Täuschungen, die damit einhergingen über Jahrhunderte
immer neue Investoren anlockten? Ganz einfach: Schon geringste Goldmengen veranlassten die Finanziers zu Luftsprüngen. Und die Tricks der Alchimisten waren vielfältig. Sie reichten von Holzkohleklumpen, in denen sich mit Wachs versiegeltes Gold befand, über Schmelztiegel mit doppeltem Boden bis hin zu einfach im Ärmel versteckten Goldmünzen.

Dennoch liegen in dieser Scharlatanerie zum Teil die Ursprünge der heutigen Chemie. Die Finanzierung gab den Alchimisten die notwendige Freiheit für vielfältige Experimente. Aus diesen entstanden – quasi als Nebenprodukte – Verfahren zur Unterscheidung und Umwandlung von Stoffen.

Fruchtbarer Boden für Gründer

Dass sich Gründer und ihre Unternehmen nur in einem „lebensfreundlichen“ Umfeld entfalten können, ist heute selbstverständliche Erkenntnis, wenn auch noch immer nicht allerorts realisiert. Eine erste Studie dazu gab bereits Ende des 18. Jahrhunderts die französische Regierung in Auftrag, als sie sich fragte, warum die englische Industrie so viel weiter entwickelt sei. Das Ergebnis: In England gab es weniger Vorschriften und Inspektionen und damit zunehmend Reichtum durch wachsende Manufakturen und florierenden Handel.

Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Rahmenbedingungen dann hierzulande ideal. In der so genannten Gründerzeit zwischen den Jahren 1871 und 1873 entstanden zahlreiche neue Aktiengesellschaften. Mit Hilfe eines Investitionsschubs konnte die kurzfristig einsetzende „Gründerkrise“, ausgelöst durch den Börsencrash im Jahr 1873, schnell überwunden werden. Im Gesamtzeitraum von 1871 bis 1914 hatten sich die Exporte vervierfacht, die Wirtschaft war kräftig gewachsen. Bei der Entwicklung neuer, zukunftsträchtiger Technologien im Bereich der Elektrotechnik und der chemischen Industrie war Deutschland führend – dank des intensiven Zusammenwirkens von wissenschaftlicher Forschung und Kapital, das Investoren zur Verfügung stellten.

In dieser Konjunkturphase setzte die BASF 1909 mit der Entwicklung eines großtechnischen Verfahrens zur Synthese von Ammoniak einen Meilenstein in der Chemiegeschichte. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit – auf der Basis der Grundlagenforschung von Fritz Haber – war es Carl Bosch und dem BASF-Chefchemiker Alwin Mittasch gelungen, einen industriellen und wirtschaftlichen Syntheseprozess für den Düngemittel-Rohstoff zu etablieren. Damit wiederum veränderten sich die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft grundlegend. Nun war es möglich, Stickstoffdünger als Wachstumsförderer für den Pflanzenanbau nahezu unbegrenzt zur Verfügung zu stellen. Noch heute werden mehr als 90 Prozent aller Stickstoffdünger nach dem sogenannten Haber-Bosch-Verfahren hergestellt.

Das Haber-Bosch-Verfahren hatte enorme soziale, ökonomische und wissenschaftliche Auswirkungen. Es war eine elegante Studie der Thermodynamik und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Es erfüllte Hoffnungen im Kampf gegen Hungersnöte und war, da frei von Abfallprodukten, Vorbild für eine saubere und verantwortungsbewusste Industrie.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Ressourcenknappheit während des ersten Weltkriegs veranlasste Carl Bosch dazu, angespornt durch das Haber-Bosch-Verfahren, geradezu fantastisch anmutende Versuche zur Synthese von Benzin zu unternehmen. Diese verliefen zwar ebenfalls erfolgreich, aufgrund des hohen Energieeinsatzes entstand daraus aber bekanntlich kein industrieller Prozess, der der Ammoniaksynthese „ebenbürtig“ gewesen wäre.

Medizin für Massen – die Entstehung der Life Sciences

Infektionskrankheiten wie beispielsweise die Pest im Mittelalter oder die Tuberkulose müssen den Menschen damals geradezu gespenstisch vorgekommen sein. Eine unsichtbare Kraft zerstörte das Leben und dagegen war offensichtlich kein Kraut gewachsen. Der Blick musste erst von den Sternen durch das Fernrohr zurück auf die Erde gelenkt werden, auf die Mikrowelt der Kleinstlebewesen. Der niederländische Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek zeigte in diesem Zusammenhang eindrucksvoll, dass auch akademische Laien wichtige Forschungsbeiträge leisten können.

Inspiriert von den Teleskopen, die den Blick in das Weltall eröffneten, begann er 1671 eigenhändig Linsen zu schleifen und einfache Mikroskope zu bauen. Bei seinen Studien an Wassertropfen identifizierte er, zeitgleich zu anderen Forschern, damit Bakterien, Einzeller und Rädertierchen. Seinen Berechnungen zufolge enthielt ein einziger Wassertropfen rund acht Millionen Kleinstlebewesen, also mehr als die Bevölkerung Hollands.

Diese Vielzahl und Mannigfaltigkeit des Lebens veränderte den Blick auf die Welt. Die technischen Möglichkeiten damals begrenzten den Fortschritt aber immer noch beträchtlich und führten hin und wieder zu sonderbaren Mutmaßungen. So glaubte der niederländische Gelehrte Nicolaus Hartsoecker zum Beispiel, in Samenzellen kleinste vorgeformte Menschen gesehen zu haben, so genannte „Homunkuli“. Erst 150 Jahre später entdeckte der schottische Botaniker Robert Brown den Zellkern. Und es bedurfte eines Forschers Namens Louis Pasteur und weiterer 40 Jahre, um zu erfahren, dass Leben nicht spontan, sondern aus bereits vorhandenen Zellen entsteht.

Von Pasteur stammt auch der Ausspruch: „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“ Und tatsächlich: In der Rückschau blickt man mit Staunen auf die verschlungenen Pfade, auf denen Erfinder und Entdecker zu ihren Leistungen und zum Ziel gelangten. Pasteur jedenfalls hatte Glück, bei der Auswahl seines ersten Forschungsobjektes, der Weinsteinsäure. Er bewies, dass die polarisierende Wirkung auf Licht durch asymmetrische Kristalle hervorgerufen wird. Der Nachweis konnte nur mit wenigen der vielen bekannten kristallinen Racemate gelingen und genau eines davon
hatte Pasteur gewählt.

In Zusammenhang mit der Begründung der Life Sciences ist Pasteur für eine bahnbrechende Entdeckung verantwortlich, nämlich den Schutz durch Impfung mit abgeschwächten Milzbrand-Erregern, nachdem Robert Koch diese identifiziert hatte.

Pasteur sagt man nach, er sei geradezu von Mikroben besessen gewesen. Jeden Teller vor sich auf dem Tisch begutachtete er zunächst gewissenhaft mit einem Vergrößerungsglas. Ein bisschen Besessenheit gehört offensichtlich auch zum Erfolg von Pionieren. Seine Forschung gipfelte jedenfalls in der Entwicklung eines Tollwut-Impfstoffs für den Menschen. Damit begann eine neue Ära in der Medizin.

Risikokapital anno 1899

Den praktischen Erfolgen Pasteurs folgte weitere Grundlagenforschung. Deren Erfolge wiederum gehen auf eine außergewöhnliche Kooperation von Finanziers, Industrie und Forschern zurück.

Emil von Behring war es im Jahr 1891 an Robert Kochs Berliner Institut für Infektionskrankheiten gelungen, zwei an Diphtherie erkrankte Kinder mit einem Serum zu heilen, das er aus dem Blut von infizierten Schafen isoliert hatte. Daraus leitete er die Serumtherapie ab, die zwar im Gegensatz zu einer Schutzimpfung eine Ansteckung nicht verhindert, aber zur Heilung eingesetzt werden konnte. Sein Kollege Paul Ehrlich steuerte den theoretischen Unterbau bei und beschrieb die Wechselwirkung zwischen Erregern, Antikörpern und Fresszellen. Für die „Wertbestimmung des Serums“ erhielt er im Jahr 1908 den Nobelpreis für Medizin.

1899 war das Institut für Infektionskrankheiten von Berlin nach Frankfurt verlegt worden. Wie sich zeigen sollte, ein Glücksfall. Paul Ehrlich beschäftigte sich intensiv damit, eine wirksame Chemotherapie für Infektionskrankheiten zu entwickeln. Schon bald wurde der Frankfurter Bankier Georg Speyer auf seine Forschungsaktivitäten aufmerksam und begann ihn – gleichsam als früher Vorläufer der Business-Angels – finanziell zu unterstützen.

Im Jahr 1909 gelang Paul Ehrlich dann sein größter wissenschaftlicher Durchbruch. Er synthetisierte eine Arsen-Benzol-Verbindung, die gegen den Erreger der Syphilis wirkte. Ein Jahr später kam das neue Medikament unter dem Namen Salvarsan auf den Markt und der Name Ehrlich war in aller Munde.

Auch bei von Behrings weiterem Werdegang spielte ein finanzkräftiger Partner die entscheidende Rolle. Die Farbwerke Hoechst finanzierten ihm Laborräume und Pferdeställe, da von Behring für seine Arbeiten Pferdeblut benötigte. Die Investition sollte sich lohnen. Im Jahr 1894 begann die industrielle Produktion eines von ihm entwickelten Diphtherieserums.

Von Behring selbst profitierte noch auf andere Weise von seinen Forschungserfolgen. Das Preisgeld, das er als erster Träger des Nobelpreises für Medizin im Jahr 1901 erhalten hatte, verschaffte ihm finanzielle Unabhängigkeit und damit die Chance, seine Ideen eigenständig umzusetzen. Er gründete im Januar 1904 die Behringwerk oHG im hessischen Marburg. Der Unternehmer von Behring brachte von dort aus neuartige Seren für die Diphtherie-Schutzimpfung und gegen Wundstarrkrampf auf den Markt.

Insulin: Schritt für Schritt zur Bioproduktion

Die Produktionsreife bei der Insulingewinnung ist das Ergebnis vieler kleiner Forschungsschritte und großer Investitionen. Die Grundlagen lieferten Forscher wie Paul Langerhans, Joseph von Mering und Oskar Minkowski bereits im 19. Jahrhundert, erstmals isoliert wurde die Substanz 1922 von Frederick Banting. Für einen schnellen Technologietransfer sorgte letztlich in Deutschland die Firma Hoechst. Ein Forscherteam des Frankfurter Unternehmens setzte die neuen Erkenntnisse in die Praxis um. Schon ein Jahr später führte Hoechst Insulin als Medikament ein und erschloss so ein neues Therapie- und Geschäftsfeld auf Basis tierischer Schlachtabfälle.

Die weiteren Schritte verdeutlichen die entscheidende Rolle der Industrie bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe. Unter ökonomischen Gesichtspunkten war die Abhängigkeit von Schlachtabfällen ungünstig, auch wenn sie aus heutiger Sicht ein echtes Recycling darstellt. Angesichts der zunehmenden Volkskrankheit Diabetes musste die Produktionskapazität nämlich stetig erhöht werden. Forscher erprobten daraufhin die chemische Herstellung des Hormons, um größere Mengen bereitstellen zu können und dabei unabhängiger von tierischen Schlachtabfällen zu sein. Den ersten praktikablen teilsynthetischen Weg zu Humaninsulin – auf Basis von Schweineinsulin – bereiteten wiederum zwei Forscher bei Hoechst.

Dank der rasanten Forschritte in der Gentechnik und Molekularbiologie gelang schließlich Anfang der Achtzigerjahre die Biosynthese von Insulin im Industriemaßstab, bei der Bakterien die Herstellung des Insulins übernahmen. Damit war das essenziellste aller Diabetesmedikamente zugleich eines der ersten gentechnologischen Produkte überhaupt. Hoechst führte das Verfahren in Deutschland ein und beschritt
damit völlig neue Wege.

Die Geburtsstunde der Gentechnik und Biotechnologie

Den Begriff Biotechnologie hatte im Jahr 1919 der ungarische Ingenieur Karl Ereky geprägt. Er beschrieb damit alle Verfahren, bei denen aus Rohstoffen Produkte unter Einsatz von Mikroorganismen erzeugt werden. Das Verständnis der zugrundeliegenden Mikrobiologie lieferten vom 19. Jahrhundert an Wissenschaftler wie der bereits genannte Louis Pasteur. Sie arbeiteten sich mit der Biotechnologie von der sichtbaren zur
„unsichtbaren“ Ebene des Lebens vor.

Der kanadische Mediziner Oswald Theodore Avery konnte zeigen, dass die DNA Träger der Erbinformation ist und begründete so die Molekulargenetik. Er musste aber auch schmerzhaft erfahren, dass man sich mit Erfolg nicht nur Freunde macht. Sein Institutskollege Alfred Mirsky versuchte alles, um Averys Ruf zu schaden. Ihm wird nachgesagt, er habe sogar in Stockholm Widerspruch gegen eine mögliche Verleihung des Nobelpreises an Avery eingelegt. Doch als Pionier und Gründer muss man bekanntlich ein dickes Fell haben. Hier gilt einmal mehr Paul Ehrlichs Quadriga von Glück, Geschick, Geduld und Geld.

Alle vier Faktoren waren einem amerikanischbritischen Forscherduo beschieden. In den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gewannen James Watson und Francis Crick den Wettstreit um die Aufklärung der Molekularstruktur der DNA und erhielten dafür im Jahr 1962 den Nobelpreis. Sie entdeckten und beschrieben – inspiriert von Linus Pauling und anderen – erstmals die Doppelhelix. Die Methoden, die letztlich zur Identifizierung der Gestalt der Doppelhelix führten, waren ungewöhnlich. Crick und Watson hantierten mit Pappmodellen der vier DNA-Bausteine und bauten schließlich aus spiralförmig miteinander verbundenen Metallplatten das vielleicht berühmteste Modell der modernen Naturwissenschaft. Manche Rätsel lassen sich eben verblüffend einfach lösen, sobald man die richtige Methode entdeckt hat. Watson blieb auch danach der Genetik eng verbunden und engagierte sich als Mitinitiator des im Jahr 1990 gestarteten Humangenomprojekts.

Geld, Mut und gute Ideen – die Keimzellen der Biotech-Branche

Nun bedeuten Erfolge im Labor noch lange keinen Erfolg am Markt. Hierzu bedurfte es in Sachen DNA erst des kongenialen Duos aus dem Wissenschaftler Herbert Boyer und dem Kapitalgeber Robert Swanson. Die beiden gründeten im Jahr 1976 in den USA das Unternehmen Genentech Inc. Boyer hatte mit seinen Untersuchungen zur rekombinanten DNA eine Schlüsseltechnologie entdeckt. Mittels rekombinanter DNA – also künstlich zusammengesetzten DNA-Molekülen – fremde Erbsubstanzstücke in Organismen einzubauen, erschien Swanson eine zukunftsträchtige Investition. Auf Anfrage räumte der Forscher dem Investor zehn Minuten Gesprächszeit ein. Die tatsächliche Sitzung dauerte dann drei Stunden. Boyer ließ sich von Swansons Enthusiasmus und dessen Glaube an den finanziellen Erfolg anstecken.

Die Kombination aus leidenschaftlichem Kapitalgeber und unermüdlichem Forscher sollte sich als Glücksfall erweisen, wobei die beiden ihrem Glück natürlich mit einem soliden Businessplan auf die Sprünge halfen. Auf eine vermittelnde und unterstützende Initiative wie Science4Life konnten sie zu dieser Zeit allerdings nicht zurückgreifen. Aus eigener Kraft gelang ihnen dennoch ein Hit: biotechnisch hergestelltes Insulin, dessen Produktion und Vermarktung sie in der Folge an das Pharmaunternehmen Eli Lilly auslizensierten. Entsprechend erfolgreich war im Jahr 1980 Genentechs Börsengang. Am Tag der Erstnotierung sprang der Kurs innerhalb der ersten Stunde von 35,00 US-Dollar auf sage und schreibe 88,00 US-Dollar.

Das sich wiederholende Erfolgsrezept von Haber-Bosch bis Swanson-Boyer: knappe natürliche Ressourcen synthetisch in großen Mengen produzieren. Genentech kam dabei eine Vielzahl neuer Technologien zu Gute, allen voran die Computertechnik, die die Visualisierung von Molekülen und deren Modifikation ermöglichte.

In der Zeit, in der Genentech entstand, kam die deutsche Biotech-Szene wenn auch etwas langsamer ebenfalls in Schwung. Während in den USA in den Achtzigerjahren die Kommerzialisierung der Biotechnologie zügig voranschritt und mit einer Welle von Unternehmensgründungen einherging, mangelte es hierzulande
an den grundlegenden Rahmenbedingungen. Forschungskooperationen zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrie waren nicht etabliert, Geldquellen wie Venture Capital oder staatliche Förderungen kaum verfügbar. Viele Pharmaunternehmen beurteilten die Chancen der neuen Technologie noch skeptisch und verwerteten die innovativen Erkenntnisse nur zögerlich. Hinzu kam eine öffentliche Diskussion über Chancen und Risiken der neuen Technologien. Es mussten noch einige Jahre vergehen, bis auch in Deutschland ein fruchtbarer Boden für die Biotechnologie bereitet war.

Biotechnologie in Deutschland

Trotz verzögerten Starts ist die Entwicklung der Biotechnologie in Deutschland mittlerweile beachtlich. Anfang der Neunzigerjahre schwappte die Gründungswelle aus den USA herüber. Im Jahr 1990 startete das Humangenomprojekt, 1993 wurde das Gentechnikgesetz novelliert, 1995 begann die erste breit angelegte staatliche Förderung: der BioRegio-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Vor allem der Clustergedanke, den der BioRegio-Wettbewerb ausgelöst hat, half der Branche auf die Sprünge, indem er verschiedenste Akteure zusammenbrachte. Zudem bildete sich mit dem Ausbau der privaten Venture-Capital-Gesellschaften eine finanzielle Basis, der neue Markt etablierte sich.

Hinzu kamen neue Werkzeuge wie die Bioinformatik, die jungen Wirkstoffherstellern half, ihre Entwicklungsprozesse zu beschleunigen. Kombiniert mit dem unermüdlichen Enthusiasmus der Gründer entstanden so Rahmenbedingungen, die eine tragfähige Biotech-Landschaft entstehen ließen. So sicherte sich Deutschland im Jahr 1999 hinsichtlich der Anzahl an Biotech-Unternehmen erstmals die Spitzenposition in Europa und verwies Großbritannien auf Platz zwei.

Zurück in die Zukunft

Den ersten Zenit erreichte die Branche Anfang des neuen Jahrtausends. Danach führten wirtschaftliche Einbrüche und rückläufige Investitionen die deutschen „Biotechs“ in eine Krise. In diesen schweren Zeiten setzte die Firma Medigene im Jahr 2004 ein Glanzlicht. Sie erhielt als erstes deutsches Biotech-Unternehmen die Zulassung für ein Arzneimittel, das Therapeutikum Eligard zur Behandlung von Prostatakrebs.

Seit dem Jahr 2005 nimmt die Branche – ausgedünnt, aber schlagkräftig – wieder Fahrt auf. „Zurück in die Zukunft“ texten Ernst & Young entsprechend im Deutschen Biotechnologie-Report 2006. Es wird wieder investiert, staatliche Förderungen, im Rahmen der so genannten Hightech-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, eröffnen zusätzliche finanzielle Möglichkeiten.

Wissen schafft Gründer – Perspektiven für Jungunternehmer

Der Blick auf die Geschichte der Persönlichkeiten und Rahmenbedingungen zeigt, wie viele Schritte notwendig sind, um das enorme Grundlagenwissen zu generieren, ausgefeilte Technologien zu entwickeln und damit schließlich neue Märkte zu erschließen. Doch was gehört heute und vielleicht anders als in der Vergangenheit zum Rüstzeug für moderne Gründer in den Life Sciences? Der lange Weg bis zur Marktreife
eines Produktes erfordert im Vergleich zu anderen Branchen besonders viel Kapital. Das liegt vor allem an den hohen Kosten für moderne Laborausstattungen, mehr noch an dem enormen Aufwand für klinische Studien. Umso mehr bedarf es auch eines Netzwerks aus Partnern und Investoren. Um es aufzubauen und daran teilzuhaben, sind Eigenmarketing und Überzeugungskraft der Jungunternehmer gefragt. Ebenso gehören zum Handwerkszeug das Wissen und die Absicherung geschaffenen geistigen Eigentums durch Patente und Marken.

Neben der Idee und der wissenschaftlichen Brillianz sind es eben vor allem betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die über Erfolg und Misserfolg einer Produktidee entscheiden. Wie erstellt man einen Businessplan? Wie weit sollte in die Zukunft geschaut werden? Wie viel Kapital wird bis zur Marktreife benötigt? Wo finde ich Partner und Unterstützer? Und wie überzeuge ich sie von einer Idee?

Science4Life – Visionäre mit Erfahrung

Die Phase der Unternehmensgründung ist in der Regel ebenso geprägt von Unsicherheit wie von Begeisterung für die Sache. Damit sie bei den modernen Jungunternehmern etwas geplanter und dabei ebenso erfolgreich verläuft wie bei den aufgezeigten historischen Persönlichkeiten, wurde die Initiative Science4Life ins Leben gerufen.

Seit mittlerweile zehn Jahren hilft Science4Life Jungunternehmern mit einer aussichtsreichen Geschäftsidee in der schwierigen Startphase. Der bundesweit ausgetragene Businessplan-Wettbewerb Science4Life Venture Cup, getragen von Sanofi-Aventis und dem Land Hessen als Sponsoren des zugrundeliegenden Vereins, versteht sich als Sprungbrett für Gründerpersönlichkeiten in den Bereichen Life Sciences und Chemie. Mit seinem Netzwerk aus Investoren und Experten aus Wirtschaft, Recht und Wissenschaft bietet Science4Life potenziellen Jungunternehmern Zugang zu Finanzierungsquellen, wertvollen fachlichen Input sowie individuelle Betreuung. So analysieren beispielsweise Kenner der Biotech-Branche und Spezialisten aus der chemischen Industrie gemeinsam mit den Teilnehmern Markttrends, zeigen ihnen aussichtsreiche Nischen auf oder helfen bei der Formulierung und Fokussierung der Geschäftsidee. Banker und Wagniskapitalgeber erläutern den Gründern ihre Sicht der Dinge und zeigen die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten auf. Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer wiederum informieren über steuerliche Hintergründe, über Gesellschaftsrecht sowie über Lizenz- und Patentrecht.

Eine Unternehmensgründung beginnt zwar mit einer neuen Idee, benötigt aber eine Menge „alter“ Erfahrung. Die Zeiten, als sich mit ein paar Goldmünzen im alchimistischen Ärmel Investoren gewinnen ließen, sind lange vorbei. Die Anzahl kreativer Köpfe und tatkräftiger Macher hingegen wächst beständig. Mehr als 2.000 waren es allein beim Science4Life Venture Cup in den vergangenen zehn Jahren. Und das eine oder andere Verfahren, um sich zumindest eine „goldene Nase“ zu verdienen, war bisher immer dabei.

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