Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Neandertaler-DNA beeinflusst, wie leicht wir bräunen

Neandertaler-Erbgut beeinflusst auch Merkmale wie Stimmung, Rauchverhalten und Schlafmuster

09.10.2017

© Frank Vinken

Bohren am Knochenfragment: Forscher benötigen nur winzige Mengen Knochenpulver für die Erbgutanalyse.

Als Menschen und Neandertaler vor vielen Tausend Jahren aufeinandertrafen, begannen beide Arten, sich miteinander zu vermischen. Daher stammen etwa zwei Prozent der DNA von heute lebenden nicht-afrikanischen Menschen von ihnen. Jüngste Studien haben gezeigt, dass einige dieser Neandertaler-Gene noch heute Einfluss auf das Immunsystem haben und zu modernen Krankheiten beitragen. Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben jetzt herausgefunden, dass unser Neandertaler-Erbe sich auch auf andere Eigenschaften auswirkt, darunter Hautton, Haarfarbe, Schlaf, Stimmung und sogar, ob eine Person raucht oder nicht.

Inspiriert von einer früheren Studie, in der Forscher entdeckt haben, dass Neandertaler-DNA im Erbgut moderner Menschen das Risiko für bestimmte Erkrankungen beeinflusst, haben Kelso und ihr Team vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie weitere Eigenschaften in modernen Menschen untersucht. Weil Neandertaler-DNA im menschlichen Erbgut relativ selten ist, mussten die Wissenschaftler Daten von einer Vielzahl von Menschen analysieren. Diese fanden sie in den mehr als 112.000 Teilnehmern an der britischen „UK Biobank“-Pilotstudie. Die Datenbank enthält genetische Information sowie Informationen unter anderem zum Aussehen, zur Ernährung, zur Sonneneinstrahlung, zum Verhalten und zu Krankheiten.

„Wir können jetzt zeigen, dass besonders der Hautton, die Leichtigkeit, mit der man bräunt, sowie die Haarfarbe von Neandertaler-DNA beeinflusst werden“, sagt Kelso. Die Forscher untersuchten Neandertaler-DNA in modernen Menschen, die zu Hauttönen und Haarfarben beitragen. Überraschenderweise stehen einige Neandertaler-Varianten in Verbindung mit helleren Hauttönen, andere mit dunkleren Hauttönen. Das gleiche gilt für die Haarfarbe. „Diese Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass Neandertaler unterschiedliche Haarfarben und Hauttöne hatten, so wie heutige Menschen auch“, sagt Erstautor Michael Dannemann.

Weiterhin, stellten die Forscher fest, dass die Neandertaler-DNA auch Merkmale wie Stimmung, Rauchverhalten und Schlafmuster beeinflusst. Zum Beispiel sind Menschen mit bestimmten Neandertalervarianten durchschnittlich häufiger Raucher, während andere Neandertaler-DNA öfter in „Nachtmenschen“ zu finden ist. Viele dieser Merkmale hängen mit der Sonneneinstrahlung zusammen. Als die modernen Menschen vor etwa 100.000 Jahren in Eurasien eintrafen, lebten die Neandertaler dort schon seit mehreren Tausend Jahren. Sie waren wahrscheinlich an niedrigere oder wechselnde Mengen an ultravioletter Sonnenstrahlung besser angepasst als die Menschen, die gerade aus Afrika eingewandert waren.

„Haut- und Haarfarbe, Biorhythmen und Stimmung werden alle von der Sonneneinstrahlung beeinflusst", so die Forscher. „Wir denken daher, dass diese zur Herausbildung der verschiedenen Neandertaler-Phänotypen beigetragen haben könnte und durch Genfluss auch weiterhin zur Variation dieser Eigenschaften bei heute lebenden Menschen beiträgt.“

Originalveröffentlichung:

Michael Dannemann and Janet Kelso; "The Contribution of Neanderthals to Phenotypic Variation in Modern Humans"; The American Journal of Human Genetics; October, 2017

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Neandertaler
  • MPI für evolutionär…
  • Haut
  • Haare
  • Schlafrhythmus
Mehr über MPI für evolutionäre Anthropologie
  • News

    Der Kopfschmerz, der mit der Kälte kam

    (dpa) Stress, Hormonschwankungen oder bestimmte Lebensmittel: Die Auslöser für eine Migräneattacke sind vielfältig und noch nicht umfänglich wissenschaftlich geklärt. Eine Studie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig könnte nun jedoch wichtige Hinweise für eine Ur ... mehr

    Forscher entschlüsseln neues Neandertaler-Genom

    Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben das Erbgut eines Neandertalers in hoher Qualität entschlüsselt, das 1980 in der Vindija-Höhle in Kroatien entdeckt worden war. Nach dem Erbgut eines Neandertalers aus dem Altai-Gebirge in Sibirien, das ... mehr

    Urmenschen-Erbgut in Höhlensedimenten entdeckt

    Obwohl es in Europa und Asien zahlreiche prähistorische Fundstätten gibt, die Werkzeuge und andere von Urmenschen verwendete Gegenstände enthalten, sind Skelettüberreste ihrer Schöpfer selten. Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben daher nach neuen ... mehr

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Molekül identifiziert, das anfällig für Magersucht macht

    Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) haben ein Molekül in der Plazenta identifiziert, das dafür verantwortlich sein könnte, dass Nachkommen, deren Mutter während der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren, an Magersucht erkranken. Die Anfälligkeit für Essstörungen ... mehr

    Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung

    Wissenschaftliche Errungenschaften erklären uns nicht nur die Welt, sondern das erlangte Wissen ermöglicht es uns auch oft, Dinge vorhersagen zu können. Allerdings begrenzen die Annahmen, die wir auf Grund dessen machen, was wir bereits wissen, manchmal unsere Wahrnehmung und unseren Zugang ... mehr

    Moleküle brillant beleuchtet

    Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt ist. Mit brillantem Infrarotlicht wollen Wissenschaftler des Labors für Attosekundenphysik (LAP), der Ludwig-Maximilians-Universität ( ... mehr

  • Videos

    Epigenetics - packaging artists in the cell

    Methyl attachments to histone proteins determine the degree of packing of the DNA molecule. They thereby determine whether a gene can be read or not. In this way, environment can influence the traits of an organism over generations. mehr

    Biomaterials - patent solutions from nature

    Animals and plants can produce amazing materials such as spider webs, wood or bone using only a few raw materials available. How do they achieve this? And what can engineers learn from them? mehr

    Chaperone - Faltungshelfer in der Zelle

    In der Zelle geht es manchmal zu wie beim Brezelbacken: Damit ein Protein richtig funktionieren kann muss seine Aminosäurekette in die richtige Form gebracht werden. Franz-Ulrich Hartl erforscht, wie die sogenannten Chaperone als Faltungshelfer der Proteine wirken. mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

    Max-Planck-Institute betreiben Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften im Dienste der Allgemeinheit. Die Max-Planck-Gesellschaft greift insbesondere neue, besonders innovative Forschungsrichtungen auf, die an den Universitäten in Deutschland noch keinen od ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.