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Ausgabenschub bei Krebsmedikamenten: Die Krankenkassen sind alarmiert

Früher waren es einige Tausend Euro - heute sind es oft Hunderttausende: So viel kostet eine Krebsbehandlung

23.06.2017

jarmoluk, pixabay.com, CC0

(dpa) Die Medikamente für die knapp eine halbe Million Menschen, die in Deutschland jährlich an Krebs erkranken, werden immer teurer. Deutschland ist dabei international Spitzenreiter, wie aus einem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer hervorgeht. Es müsse diskutiert werden, «ob die Preise in Deutschland gerechtfertigt sind», forderte Barmer-Chef Christoph Straub.

Bei den Kosten von 31 einschlägigen Krebsmedikamenten sei Deutschland international führend. Bei 90 Prozent dieser Mittel lägen die Preise über dem internationalen Mittelwert. Acht der Arzneimittel kosten demnach hierzulande sogar am meisten.

In der ambulanten Versorgung der Barmer-Versicherten stiegen die Ausgaben für Krebsmedikamente laut dem Report seit 2011 um 41 Prozent. «Dieser Trend setzt sich dynamisch fort», sagte Straub. Die Kosten für die anderen Arzneimittel stiegen lediglich um 20 Prozent.

Rund 490.000 Menschen in Deutschland werden pro Jahr neu mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Straub machte deutlich, dass keinem Patienten die Therapie aus Kostengründen verweigert werden solle. Nötig sei aber eine Kostendebatte.

Zwar gibt es eine offizielle Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln. Aufgrund dieser Bewertung führen die Krankenkassen mit den Herstellern Verhandlungen über den Erstattungspreis. Laut Straub fehlt aber eine nochmalige spätere Bewertung - wenn beispielsweise fünf Jahre nach Markteinführung Erfahrungswerte vorliegen.

Hätten die Arzneimittelkosten für eine typische Chemotherapie in den 90-er Jahren umgerechnet noch bei wenigen Tausend Euro gelegen, so seien es zehn Jahre später einige Zehntausend Euro gewesen, sagte Straub. «Heute erreichen die Kosten in vielen Fällen eine Größenordnung von Hunderttausend Euro und mehr.» Fünf der zehn Arzneimittel mit den größten Umsatzsteigerungen dienen laut der Studie der Behandlung von Tumorerkrankungen.

Studienautor Daniel Grandt betonte, neue Arzneimittel führten nicht zu einer Heilung, sondern in der Regel zu einer Verlängerung des Überlebens zunächst ohne Fortschreiten der Krankheit um wenige Monate. Von den 460.000 Barmer-Versicherten mit Tumor-Diagnose seien 409.000 mindestens 70 Jahre alt.

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