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31.08.2012: Multiple Sklerose (MS), eine chronisch-entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, beginnt bei Kindern und Jugendlichen häufig mit Sehstörungen. Darauf macht die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) anlässlich einer Studie aufmerksam. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, da die Behandlung den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen kann.

Multiple Sklerose gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Weltweit sind davon etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen. In Deutschland leiden von 100.000 Menschen schätzungsweise 149 an MS. Durch Angriffe der körpereigenen Abwehr auf die Fortsätze der Nervenzellen bilden sich im gesamten Zentralnervensystem Entzündungsherde. Die Symptome reichen von leichten Missempfindungen über Lähmungen bis hin zu schwersten Behinderungen. Häufig treten die ersten Anzeichen im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Etwa jeder zwanzigste Patient erkrankt aber bereits als Kind oder Jugendlicher. Eine rückblickende Untersuchung der Göttinger Universitätsaugenklinik zeigt nun, dass fast die Hälfte der jungen Patienten über Beschwerden an den Augen klagen.

Die Forscher analysierten die Daten von 44 Kindern mit MS, die zwischen 1997 und 2011 an der Universitätsaugenklinik Göttingen untersucht wurden. Darin zeigte sich, dass bei den jungen Patienten häufig eine Entzündung des Sehnervs auftrat. „Diese Neuritis nervi optici macht sich durch plötzliche Sehstörungen bemerkbar, die von Schmerzen begleitet sein können“, sagt DOG-Experte Professor Dr. med. Joachim Esser von der Augenuniversitätsklinik Essen. Die Sehnervenentzündung markiere auch bei Erwachsenen oft den Beginn einer MS. Bei vielen Kindern in der Göttinger Studie äußerten sich erste Anzeichen einer Erkrankung auch in unkontrollierbaren, rhythmischen Augenbewegungen. Dieser sogenannte Nystagmus nimmt bei Menschen mit Multiple Sklerose oft die Form eines „Upbeat-Nystagmus“ an: Dabei bewegen sich die Augen aus der neutralen Position in mehr oder weniger regelmäßiger Folge schlagartig nach oben.

Mitunter führt Multiple Sklerose auch früh zu einer Schwäche in den Augenmuskeln. „Denn die Krankheit befällt oft einen bestimmten Hirnnerv, den Nervus abducens“, sagt Professor Esser, der Experte für Augenmuskel-, Lid- und Orbitachirurgie ist. Der Nerv kontrolliert die Augenbewegung nach außen. Versagt er, sehen Betroffene beim Blick zur Seite Doppelbilder. Bei den jungen Patienten der Studie traten außerdem Entzündungen der Regenbogenhaut im Auge auf. Diese schmerzhafte Uveitis führt zu geröteten, tränenden Augen. Die Betroffenen sind lichtempfindlich und haben ständig das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben.

„Augenärzte sind in der Regel mit den Symptomen von Multiple Sklerose vertraut“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt am Main. Die Kollegen überweisen die Patienten an einen Neurologen, damit dieser die Diagnose bestätigt und die Therapie einleitet. Kinder und Jugendliche mit diesen Störungen sollten einen Augenarzt aufsuchen, rät die DOG. Häufig finden sich harmlose Ursachen für die Symptome. Wenn aber eine Multiple Sklerose vorliegt, kann eine frühzeitige Therapie den Verlauf der Erkrankung bessern. Im günstigen Fall lassen sich dadurch spätere Lähmungen hinauszögern oder ganz vermieden.

Originalveröffentlichung:
M. Pfriem, L. Ababneh, M.P. Schittkowski. Augenärztliche Aspekte Multipler Sklerose im Kindes- und Jugendalter. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2012

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