Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Einzigartige Studie soll Biomarker für psychische Erkrankungen identifizieren

Bessere Diagnose heißt bessere Behandlung

08.06.2018

Psychiater diagnostizieren die Erkrankungen ihrer Patienten auf Basis von deren Schilderungen. Sie können nicht wie andere Ärzte auf Röntgenbilder, Blut- oder Fieberwerte zurückgreifen, um ihre Diagnose zu begründen. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) möchte im Rahmen einer breit angelegten Studie Biomarker identifizieren, die helfen, psychiatrische Erkrankungen besser zu diagnostizieren.

Die BeCOME-Studie (für Biological Classification of Mental Disorders) soll Aufschluss darüber geben, ob und welche objektiv erhobenen Messwerte wichtige zusätzliche Aussagen über psychische Störungen liefern können. Die Vermutung dahinter: die Diagnosen sind bisher viel zu ungenau. "Es gibt nicht die eine Depression oder Schizophrenie, sondern viele verschiedene Formen", so Elisabeth Binder, Studienleiterin und Direktorin des MPI. "Um Patienten gezielter behandeln zu können, müssen wir besser diagnostizieren können", resümiert sie.

Die Wissenschaftler und Ärzte am MPI erheben für die Studie genetische und epigenetische Informationen und messen verschiedene körperliche Parameter und Hirnfunktionen. Das Herzstück bilden Messungen, die Hirnprozesse abbilden: Mit Hilfe des Magnetresonanztomographen erhalten die Experten Einblick in strukturelle und funktionelle Strukturen des Gehirns. Molekulare Marker gewinnen sie durch Untersuchungen des Blutes. Neuropsychologische Tests absolvieren Teilnehmer am Computer oder im Gespräch mit einem Therapeuten. Sie liefern Erkenntnisse über die Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit oder die kognitive Flexibilität. Zu den psychophysiologischen Tests gehört neben der Messung der Blickbewegung und der Hautleitfähigkeit auch die Pupillometrie. Dabei wird die Reaktion der Pupille auf einen Lichtreiz gemessen. Auch diese Ergebnisse könnten Indikatoren für psychische Erkrankungen sein.

Teilnehmer gesucht

Patienten mit Depression und Angst, die aktuell keine Psychopharmaka einnehmen, können bei der Studie genauso mitmachen wie gesunde Probanden. Sie unterstützen dadurch die Wissenschaft, erfahren viel über ihren Körper und erhalten buchstäblich Einblick in ihr Gehirn.

"In dieser Breite ist unser Ansatz weltweit neu und basiert auf wissenschaftlichen Ergebnissen der vergangenen Jahre", betont Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik am MPI.

Solche Untersuchungen sind nur durch die Kombination der Expertise aus vielen biomedizinischen Teilbereichen und der jeweils neuesten Technologien möglich. Das MPI ermöglicht durch die enge Verbindung von Forschung und Klinik diese aufwendigen Untersuchungen mit dem Ziel, neue Behandlungsmöglichkeiten für psychische Erkrankungen zu entwickeln.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • psychische Erkrankungen
  • Biomarker
  • Magnetresonanztomographie
Mehr über MPI für Psychiatrie
  • News

    Molekül identifiziert, das anfällig für Magersucht macht

    Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) haben ein Molekül in der Plazenta identifiziert, das dafür verantwortlich sein könnte, dass Nachkommen, deren Mutter während der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren, an Magersucht erkranken. Die Anfälligkeit für Essstörungen ... mehr

    Anti-Stress-Wirkstoff reduziert Fettleibigkeit und Diabetes

    Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie konnte erstmals die Begünstigung von Diabetes durch ein Stressprotein im Muskelgewebe nachweisen. Dies könnte einen vollkommen neuen Ansatz zur Behandlung ermöglichen. Vom Protein FKBP51 wissen Forscher schon länger, dass es in Zusammenhang mit depres ... mehr

    Angst wirkt sich auf Immunsystem aus

    Angst entsteht, wenn auf auslösende Stimuli eine übermäßige Stressreaktion folgt. Das ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers, wenn die Reaktion angemessen ist. Erfolgt sie unkontrollierbar und sind Betroffene länger solch extremen Stressreaktionen ausgesetzt, führt dies vermutlich ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Institut für Psychiatrie

    Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie verbindet auf einzigartige Weise Grundlagenforschung, klinische Forschung und Patientenversorgung im Bereich der Psychiatrie und Neurologie. Depression und Angsterkrankungen bilden den Schwerpunkt der Forschung und klinischen Behandlungsangebote. mehr

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.