Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Transplantationsrisiken minimieren

08.02.2018

Kai Hildner

Dieses Bild zeigt Darmwandabschnitte nachdem die Aktivität der besonders aggressiven Spenderlymphozyten gehemmt wurde. Die verminderte Entzündung ist für Experten deutlich an den feingeweblich besser erhaltenen, als rundlich-ovale Strukturen abgrenzbaren Darmkrypten und der geringeren Zahl von in das Darmgewebe eingewanderten Abwehrzellen (kleine, blaue Zellkerne) erkennbar.

Kai Hildner

Dieses Bild zeigt die unbehandelte Darmentzündung nach einer Stammzelltransplantation.

Häufig ist eine Knochenmarktransplantation für Patienten mit Leukämie die rettende Therapie, doch das Risiko von Komplikationen ist groß. Trotz der aufwendigen und häufig langen Suche nach einem geeigneten Spender, kommt es bei fast der Hälfte der Patienten zu einer unerwünschten Reaktion des Immunsystems, die sich oft gegen die Haut und Leber und in bis zu 50 Prozent der Fälle gegen den Darm richtet. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten nun entschlüsseln, wie es zu diesen teils lebensgefährlichen Darmentzündungen kommt und einen möglichen Behandlungsansatz aufzeigen.

Auslöser der heftigen Immunreaktion ist eine spezielle Form von Abwehrzellen des Spenders. Diese so genannten T-Lymphozyten erkennen die Körperzellen des Empfängers als fremd und attackieren sie. Die FAU-Forscher konnten nun zeigen, dass diese besondere Form der T-Lymphozyten von einem Protein namens BATF (engl. „basic leucin zipper ATF-like transcription factor“) gesteuert wird. „Das BATF-Eiweiß arbeitet wie ein Zentralschalter in den Spender-T-Lymphozyten“, sagt Prof. Dr. Kai Hildner von der Medizinischen Klinik 1- Gastroenterologie Pneumologie, Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath). „Wird das Protein angeschaltet, können sich hoch aggressive Immunzellen entwickeln, die die Entzündungsvorgänge massiv verstärken und dann im Wechselspiel mit anderen Immunzellen großen Schaden im Darm nach einer Stammzelltransplantation anrichten.“

Die Gruppe um Professor Hildner in Kooperation mit der Medizinischen Klinik 5 und Arbeitsgruppen in Frankfurt, Regensburg und Würzburg konnte darüber hinaus noch einen anderen Zusammenhang nachweisen: Die in den Darm eingewanderten T-Lymphozyten des Spenders schütten einen Botenstoff (GM-CSF – Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor) aus und vermitteln so die Entzündungsreaktion im Darm. Blockierten die Forscher die Entwicklung und Funktion dieser spezialisierten T-Lymphozyten mit Medikamenten, lösten sich die Entzündungen im Darm auf.

Von der Entdeckung dieses molekularen Mechanismus erhoffen sich die Wissenschaftler neue Therapien zur Beeinflussung der Darmentzündungen nach Transplantationen entwickeln zu können, um die Überlebenschancen der Patienten nach einer Stammzelltransplantation weiter zu erhöhen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • News

    Wie der Entzündung das Benzin ausgeht

    Entzündung benötigt Energie. Diese wird nicht zuletzt aus Sauerstoff generiert, der für die Arbeit der Zellen des Immunsystems unerlässlich ist. Dabei ist Sauerstoff einerseits ein essenzielles Element für das Überleben von Zellen, andererseits fungiert dieser aber auch als „Benzin“ für das ... mehr

    Müsli gegen Arthritis

    Dass eine gesunde Ernährung unser allgemeines Wohlbefinden steigert, ist altbekannt. Jetzt haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden, dass eine ballaststoffreiche Kost den Krankheitsverlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen positi ... mehr

    Wie Helicobacter pylori Magenkrebs auslöst

    Magenkrebs zählt zu den fünf tödlichsten Krebsarten: Jährlich sterben etwa 750.000 Patienten an dieser Erkrankung, so die Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO. Als Hauptauslöser gilt das Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori). Wirkungsvolle Therapien gegen Magenkrebs gibt es der ... mehr

  • Firmen

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Mit mehr als 260 Lehrstühlen und insgesamt rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (inkl. Klinikum), etwa 26.000 Studierenden und circa 136 Studienfächern ist sie die größte Universität Nordbayerns und eine gewichtige Größe in Forschung und Lehre weit über die Region hinaus. Der Schwe ... mehr

  • Universitäten

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Das über die Jahre gewachsene breite Fächerangebot der Friedrich-Alexander-Universität bietet die einzigartige Chance, interdisziplinäre, über Fakultätsgrenzen hinweg arbeitende Kompetenzzentren und Zentralinstituten einzurichten. Verwurzelt in der klassischen humanistischen Bildung und auf ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.