Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Rafflesien



Rafflesien
 
Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Malpighiales
Familie: Rafflesiengewächse (Rafflesiaceae)
Gattung: Rafflesien
Wissenschaftlicher Name
Rafflesia
R.Br.

    Die Rafflesien (Rafflesia) sind eine Gattung der Familie der Rafflesiengewächse (Rafflesiaceae). Ihr botanische Name wurde ihnen zu Ehren ihres Entdeckers Sir Thomas Stamford Raffles gegeben. Die bekannteste Art, Rafflesia arnoldii, bildet die größten Blüten im Pflanzenreich.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Pflanzen sind zweihäusige Vollschmarotzer, die vollständig innerhalb ihrer Wirte leben. Dort bestehen sie lediglich aus einem Myzel-artigen, mit Haustorien durchsetzten Geflecht. Wurzeln, Sprosse und Laubblätter werden nicht ausgebildet. Die Wirtspflanzen sind jeweils spezifische Arten der Lianen bildenden Gattung Tetrastigma aus der Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae).

Die Blüten werden außerhalb des Wirtes gebildet. Sie liegen in der Regel dem Boden auf, erscheinen bei relativ kleinblütigen Arten aber auch bis in etwa 1 m Höhe. Direkt unter ihnen befinden sich kleine Schuppen, die vielleicht reduzierte Hoch- oder Kelchblätter darstellen. Die kelchförmige Blütenhülle trägt fünf ledrige, bis 1 cm dicke Kronblätter. Im voll entwickeltem Zustand beträgt der Durchmesser der Blüten zwischen 13 cm und knapp einem Meter. In Farbe und Geruch ahmen sie Aas nach und locken so Insekten, vorwiegend Fliegen, zur Bestäubung an. Die zentrale Säule der männlichen Blüten hat Öffnungen, durch die Bestäuber in die Blüte gelangen können. Durch durchscheinende Fenster und reusenartig aufgestellte Haare geleitet, gelangen sie dort in eine Position, in der ihnen die in einer zähen Flüssigkeit befindlichen Pollen angeheftet werden. Um in die weiblichen Blüten zu gelangen, müssen sich die Bestäuber durch einen Spalt zwängen, in dem die Pollen an die Narben abgestreift werden. Es sind also nur Insekten einer bestimmten Größe als Bestäuber geeignet. Früchte werden nur selten gebildet, benötigen etwa ein Jahr zur Entwicklung und können mehrere tausend Samen enthalten. Ihre Verbreitung erfolgt vermutlich durch Nagetiere (Hörnchen).

Ökologie

Die hoch spezialisierten Pflanzen sind nur selten in der Natur zu finden und gelten, da sie auf ein komplex funktionierendes Ökosystem angewiesen sind, mit allen Arten als gefährdet.

  • Sie sind, je nach Art, auf ganz bestimmte Wirtspflanzen angewiesen. Werden die Wirte durch Abholzung, durch „Aufräumen“ oder durch zu starke Begehung des Waldes beseitigt oder geschädigt, können sich die Rafflesien nicht entwickeln.
  • Die Blüten benötigen ein gleichmäßig warmes und feuchtes Klima. Zu geringe Feuchtigkeit lässt sie vorzeitig austrocknen, zu hohe Feuchtigkeit vorzeitig verfaulen.
  • Die Blüten benötigen mehrere Monate (bis zu einem Jahr) zur Entwicklung, halten dann jedoch nur wenige (4 bis 7) Tage. Hierdurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine männliche Blüte und eine in der Nähe gelegene weibliche Blüte gleichzeitig geöffnet sind, sehr gering.
  • Die Blüten können nur durch Insekten einer bestimmten Größe bestäubt werden. Diese wiederum sind auch auf ein funktionierendes Ökosystem angewiesen, in dem (durch Raubtiere hinterlassenes) Aas vorkommt, das sie zu ihrer Fortpflanzung benötigen.
  • Auch die die Samen verbreitenden Nagetiere benötigen ein funktionierendes Ökosystem, in dem sie beispielsweise ausreichend Schutz und Futter finden.

Da die Blüten durch ihre Größe eine hohe Aufmerksamkeit erregen, ist inzwischen ein Rafflesien-Tourismus zu bekannten Standorten entstanden. In einigen Fällen hat diese glücklicherweise dazu geführt, dass zur Erhaltung der durch den Tourismus entstanden Einkommensquelle Schutzmaßnahmen wie Einzäunungen und Abholzverbote getroffen wurden.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Rafflesien erstreckt sich in Südostasien von der Malaiischen Halbinsel (Thailand, Malaysia) über Sumatra und Java (Indonesien) und Borneo (Malaysia, Indonesien, Brunei) bis zu den Philippinen. Die Pflanzen wachsen dort in tropischen Regenwäldern auf Höhenlagen von 500 bis 700 m über dem Meeresspiegel.

Systematik

Da die Pflanzen außer den Blüten keine Organe haben, die eine vergleichende Betrachtung zulassen, war die systematische Stellung der Gattung bisher unklar. Sie wird traditionell in einer eigenen Pflanzenfamilie Rafflesiaceae geführt. Neueste DNA-Analysen[1] haben nun ergeben, dass Rafflesia und seine Verwandten an der Basis des Stammbaums der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) in diesen eingebettet ist. Als Reaktion darauf wurde die Abtrennung der Peraceae von den Wolfsmilchgewächse vorgeschlagen[2], was zur Folge hätte, dass die übrigen Wolfsmilchgewächse einerseits monophyletisch bleiben und andererseits bezüglich der Anatomie der Frucht und der Samenschale einheitlicher werden. Die Verwandtschaftsverhältnisse lassen sich durch das nachfolgende Kladogramm illustrieren:


 
 
 
 
 
 
 
 
Wolfsmilchgewächse s.str.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Rafflesia
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Rhizanthes
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Rafflesiengewächse
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sapria
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Peraceae (vorgeschlagen)
 
 
 
 
 



Das Forschungsergebnis ist deshalb so überraschend, da im deutlichen Gegensatz zu den Rafflesiengewächsen bei den Wolfsmilchgewächsen eine Tendenz zur Verkleinerung der Blüten zu beobachten ist, die in der Gattung Euphorbia mit winzigen, einzelnen nackten Staubfäden und einzelnen nackten Fruchtknoten ein Extrem erreicht.

Arten

Die einzelnen, etwa 20 Arten unterscheiden sich durch Größe, Form, Farbe und Textur der einzelnen Blütenmerkmale. Nähere Untersuchungen des in den Wirtspflanzen vorhandenen Geflechts haben bisher kaum stattgefunden, da diese praktisch nicht durchführbar sind, ohne die Rafflesien und ihre Wirte zu töten.

  • Rafflesia arnoldii (Riesenrafflesie) R.Br. (Syn. Rafflesia titan Jack): Borneo: Sarawak, Malaysia und W Kalimantan, Indonesien
    • Rafflesia arnoldii var. atjehensis (Koord.) Meijer (Syn. Rafflesia atjehensis Koord.): Bengkulu, Sumatra, Indonesien)
  • Rafflesia azlanii Latiff & M.Wong (Syn. Rafflesia hasseltii Suring.): Zentral Sumatra, Indonesien und Halbinsel von Malaysia
  • Rafflesia baletei Barcelona & Cajano
  • Rafflesia borneensis Koord.: Borneo: Sekerat Mts., NO Kalimantan, Indonesien
  • Rafflesia cantleyi Solms: Halbinsel von Malaysia und Tioman, Malaysia
  • Rafflesia ciliata Koord.: Borneo: Sekerat Mts., NO Kalimantan, Indonesien
  • Rafflesia gadutensis Meijer: Westküste von Sumatra and Benkulu, Indonesien
  • Rafflesia keithii Meijer: Borneo: Sabah, Malaysia und O Kalimantan, Indonesien
  • Rafflesia kerrii Meijer: Halbinsel von Thailand und Malaysia
  • Rafflesia manillana Teschem. (Syn. Rafflesia cumingii R.Br., Rafflesia lagascae Blanco, Rafflesia philippensis Blanco): Luzon, Philippinen
  • Rafflesia mira Fernando & Ong (Syn. Rafflesia magnifica Madulid, Tandang & Agoo): Mindanao, Philippinen
  • Rafflesia micropylora Meijer: N Sumatra, Indonesien
  • Rafflesia patma Blume (Syn. Rafflesia horsfieldii R.Br., Rafflesia zollingeriana Koord.): Java, Indonesien
  • Rafflesia pricei Meijer: Borneo: Brunei; Sabah, und N. Sarawak, Malaysia und Kalimantan, Indonesien
  • Rafflesia rochussenii Teijsm. & Binn.: W Java und Sumatra, Indonesien
  • Rafflesia schadenbergiana Goepp. ex Hieron.: Mindanao, Philippinen
  • Rafflesia speciosa Barcelona & Fernando: Panay, Philippinen
  • Rafflesia tengku-adlinii Mat-Salleh & Latiff: Borneo: Sabah, Malaysia
  • Rafflesia tuan-mudae Becc.: Borneo: W. Sarawak, Malaysia
  • Rafflesia banahaw Barcelona, Pelser & Cajano: Luzon, Philippinen

Eine weitere Art wurde nach einer einzelnen Knospe beschrieben. Es bleibt zu prüfen, ob tatsächlich eine eigene Art vorliegt.

  • Rafflesia witkampi Koord. Borneo: Sekerat Mts., NO Kalimantan, Indonesien

Eine weitere Art wurde erst 2006 entdeckt und ist derzeit noch nicht gültig beschrieben.

  • Rafflesia „irigaense“: Berg Asog, Iriga, Camarines Sur, Philippinen

Literatur

  • L. V. Olah: Cytological and Morphological Investigations in Rafflesia arnoldi R. Br., Bulletin of the Torrey Botanical Club, 87(6): 406-416, 1960
  • Reed S. Beaman, Pamla J. Decker & John H. Beaman: Pollination of Rafflesia (Rafflesiaceae), American Journal of Botany, 75(8): 1148-1162, 1988
  • P. Simons: Rafflesia, the world's largest flower, Biological Sciences Review 5(1): 7-9, 1992
  • W. Meijer: Rafflesiaceae. In C. Kalkman et al. (Hrsg.): Flora Malesiana 1(13): 1-42, 1997
  • Jamili Nais: Rafflesia of the World. Sabah Parks, Kota Kinabalu, 2001, ISBN 983-812-042-1

Fußnoten

  1. C.C. Davis , M. Latvis, D.L. Nickrent, K.J. Wurdack & D.A. Baum: Floral gigantism in Rafflesiaceae. Science, online veröffentlicht am 11. Januar 2007.
  2. Angiosperm Phylogeny Website - http://www.mobot.org/MOBOT/Research/APweb/orders/malpighialesweb.htm#Peraceae
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Rafflesien aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf ie.DE nicht.